Sensationsfund in brandenburgischem Archiv: Ein ganz besonderer Fund zur Bergbaugeschichte im Frankenwald bereichert das Museum Naila. Das Museum wurde Anfang Dezember erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, nachdem es – neu konzipiert und gestaltet – in das neue Bürger- und Familienzentrum „Forum Naila“ (vormals Kaufhaus WEKA) umgezogen ist. Eines der Themen, dem sich das Museum Naila widmet, ist der Bergbau. Bei Internetrecherchen zum Bergamtsrevier Naila stieß Marco Hader, Vorsitzender das Nailaer Museumsvereins, aus reinem Zufall auf einen Bergwerksplan aus Naila, der im Brandenburgischen Landeshauptarchiv (BLHA) in Lübbenau / Spreewald liegt.
Der Plan ist eine maßstabsgerechte, detailreiche Tuschezeichnung, im Original über 1,60m breit. Auftraggeber war ein Johan Casimir Graf zu Lynar, begütert in Ziegenfeld, Biberbach und Gattendorf, der im Dienst des Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth stand. Der Plan ist zwar nicht datiert, muss aber vor 1619 entstanden sein, da Lynar in jenem Jahr starb. Nach seinem Tod verkaufte seine Witwe die fränkischen Besitztümer und erwarb dafür die Herrschaft Lübbenau. So landete der Nailaer Bergwerksplan wohl im dortigen Archiv. Für sein Alter – der Plan ist über 400 Jahre alt – ist sein Erhaltungszustand erstaunlich gut.
Bisher hatten sich Heimatforscher bei ihren Recherchen vor allem auf das Staatsarchiv Bamberg einschließlich das Hausarchivs Plassenburg gestützt. Der bisher älteste im Museum Naila in Kopie vorhandene Bergwerksplan stammt von dort und ist 1631 entstanden. In anderen Bundesländern hat man kaum oder gar nicht gesucht. Weil die staatlichen Archive jetzt überall nach und nach ihre Bestände digitalisieren und Bestandslisten online verfügbar machen, kann man dort jetzt auf bislang Unbekanntes stoßen, das für die Heimatforschung von großem Wert ist. Auch der Nailaer Bergwerksplan aus Lübbenau liefert durchaus neue Erkenntnisse.
Der Plan aus dem brandenburgischen Archiv zeigt die Stollen, Schächte und Betriebsanlagen, für das Bergwerk „Bergwerk Reicher König Salomo“. Es befand sich in Naila im Tal der Selbitz auf dem heutigen Gelände des Gewerbeparks Carl Seyffert am Fuß des Lindenbergs, dem jetzigen Standort der Klinik. Kupfer- und Eisenerz wurden dort abgebaut. Die nahe Selbitz stellte eine große Herausforderung dar, weil immer wieder Wasser in die Bergwerkschächte eindrang. Mit sogenannten „Wasserkünsten“, das waren Schöpfwerken, mit denen man das Wasser aus den Schächten herausstreifte, versuchte man die Bergwerke zu entwässern. Diese „Wasserkünste“ wurden wiederum mit Wasserkraft betrieben. Dafür würde eigens der „Berggraben“ (auch: „Kunstgraben“) gebaut, der in Selbitz von dem gleichnamigen Flüsschen abzweigt und bis Naila auf 2,5 Kilometern Länge nur 70 Zentimeter Höhenunterschied aufweist. Das alles wurde mit riesigem Aufwand von Hand gebaut, also nur mit Schaufeln und Spitzhacken. Am Ende des Berggrabens entstand um 1625 als Betriebsgebäude die heutige „Marmormühle“.
Lange Zeit ging man davon aus, dass auch der Berggraben in dieser Zeit entstand. Alte Unterlagen belegen Bauarbeiten in der Zeit von 1621 bis 1625. Im alten Nailaer
Museum hing bis zuletzt eine Zeittafel, die diesen Zeitraum für den Bau des Berggrabens angab. Doch schon vor einigen Jahren fand der inzwischen verstorbene Dr. Bruno Frobel heraus, dass es sich dabei wohl um Erweiterungs- oder Sanierungsmaßnahmen gehandelt habe und dass der Graben schon früher bestanden haben muss (siehe Frankenwald, Ausgabe 3/2011). Als Beleg diente jedoch nur eine einfache Skizze. Frobels Recherchen werden jetzt durch den Bergwerksplan aus dem Lübbenauer Archiv bestätigt, denn der Berggraben ist dort bereits eingezeichnet.
Hintergrund:
Auf über 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche lädt das neu eröffnete Museum Naila zu einer Zeitreise durch die Geschichte von Naila und Umgebung ein – von der ersten Besiedlung bis an die Schwelle des 21. Jahrhunderts. In verschiedenen Abteilungen vom Bergbau über Schuhmacherei und Weißnäherei bis zur Industriegeschichte veranschaulicht das Museum auf moderne Weise, was die Arbeit, den Alltag und das Leben der Menschen geprägt hat und wie Naila und seine Umgebung zu dem geworden ist, was sie heute sind.
Zu den Highlights gehört eine 8qm großes Tafeltuch, dass als einer von 100 bayerischen Heimatschätzen ausgezeichnet wurde, ein Puppenhaus mit 20 Zimmern und der Originalballon zur DDR-Flucht von 1979, die im Museum Naila jetzt auch mit VR-Brillen nacherlebt werden kann.
Ein Besuch im Museum Naila lässt sich gut mit einer Wanderung auf dem neuen FrankenwaldSteigla „Wilder Mann“ oder auf dem neu gestalteten Geopfad Naila verbinden.
Die Öffnungszeiten können der Website museum-naila.de entnommen werden.