Das Museum Naila setzt auf die Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen. Ein aktuelles Beispiel ist eine Kooperation mit dem Hochfranken-Gymnasium. Im Rahmen eines P-Seminars beschäftigen sich dort Schüler der 11. Klasse zusammen mit ihrem Lehrer Martin Brunhuber unter dem Titel „Leben mit der Grenze“ mit der Zeit der deutschen Teilung und ihren Auswirkungen auf die Region.
In diesem Zusammenhang fand kürzlich im Museum Naila ein Zeitzeugen-Workshop statt, der von der Gedenkstätte Amthordurchgang aus Gera fachlich begleitet wurde. Ziel des Workshops war es, die Schülerinnen und Schüler an die Methode des Zeitzeugeninterviews heranzuführen und sie für den sensiblen Umgang mit persönlichen Erinnerungen an die deutsch-deutsche Teilung zu sensibilisieren. Als Zeitzeuge stand den Jugendlichen Frank Riedmann (geb. Strelzyk) zur Verfügung, der 1979 im Alter von 15 Jahren gemeinsam mit seiner und einer weiteren Familie spektakulär mit einem Heißluftballon aus der DDR nach Naila floh. Anhand seiner Lebensgeschichte konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur die historischen Hintergründe der Flucht nachvollziehen, sondern auch erfahren, wie prägend die Teilung Deutschlands für einzelne Biografien war.
Der Workshop bildet den Auftakt für die weitere Arbeit des P-Seminars: In den kommenden Monaten werden die Schülerinnen und Schüler eigenständig Zeitzeugeninterviews durchführen. Die Ergebnisse sollen dokumentiert und – in geeigneter Form – auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Damit leisten die Jugendlichen einen wichtigen Beitrag zur regionalen Erinnerungskultur. Marco Hader, Vorsitzender des Museumsverein Naila, sieht in diesem Projekt ein gelungenes Beispiel dafür, wie historische Bildungsarbeit und schulisches Lernen sinnvoll miteinander verbunden werden können. Künftig soll die Zusammenarbeit des Museums Naila mit Schulen weiter intensiviert werden, um junge Menschen aktiv in die Auseinandersetzung mit der Stadt- und Zeitgeschichte einzubeziehen.
Für das Projekt am Hochfranken-Gymnasium werden derzeit weitere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesucht, die von der deutschen Teilung, vom Leben im Grenzgebiet, von Flucht, Ausreise, Zwangsmaßnahmen oder familiären Trennungen betroffen waren – unabhängig davon, auf welcher Seite der Grenze sie lebten. Interessierte, die bereit sind, ihre Erinnerungen mit Schülerinnen und Schülern zu teilen, dürfen gerne Kontakt mit dem Museumsverein Naila aufnehmen.